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Orientierung
Das Vorbild der Heiligen
Donnerstag, 23. Mai 2024

Nähe wird Dienst und Sendung

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Zu den neutestamentlichen Heiligen, die in der katholischen Kirche verehrt werden, gehören ganz selbstverständlich Familienangehörige Jesu wie Maria und Joseph, Elisabeth und Zacharias. Auch die Apostel und ihre ersten Schüler sowie die Evangelisten werden verehrt. Ebenso haben heilige Frauen im Gefolge Jesu wie Maria Magdalena ihren Platz unter den Heiligen.

Und dann sind da noch Personen, die sich auch, wie die bisher Genannten, durch eine besondere Nähe zu Jesus auszeichnen, wie z. B. die Propheten Simeon und Hanna, der Vertraute Joseph von Arimathäa und die ersten Missionare wie Stephanus, Lydia oder Phoebe. Weniger bekannt ist die hl. Johanna, die man im biblischen Geschehen schnell überlesen kann. Ihr Gedenktag ist der 24. Mai.

Ein Blick in die Vergangenheit: Wer war die hl. Johanna?

Die wenigen biblischen Daten lassen sich schnell zusammentragen. Johanna lebte im 1. Jahrhundert in Palästina und war nach biblischem Zeugnis die Frau des Chuzas, eines Beamten des Königs (Lk 8,3).

Wahrscheinlich hatte Jesus sie von einer Krankheit geheilt, woraufhin sie ihn, wie andere Frauen auch, bei seinen Predigtwanderungen begleitete. Sie wird in einem Zug mit der hl. Maria Magdalena genannt, von der ausdrücklich gesagt wird, dass Jesus sie geheilt habe (Lk 8,2). Johanna hat nachweislich zu den Frauen gehört, die Jesus und seine Jünger mit ihrem Vermögen unterstützten (Lk 8,3).

Schließlich gehörte Johanna zu den Frauen, die am Ostermorgen das leere Grab Jesu aufsuchten (Lk 24,10). Im Martyrologium Romanum, dem offiziellen Verzeichnis aller Heiligen und Seligen der römisch-katholischen Kirche, wird daraus der Schluss gezogen, dass auch Johanna den Jüngern von der Auferstehung berichtete. Zweifellos zählt Johanna zu den ersten Zeuginnen.

Ein Blick in die Zukunft: Was könnte die hl. Johanna von mir wollen?

Johanna fühlte sich eng mit Jesus und den Jüngern verbunden. Sie gehörte somit zur weiteren „Familie“ Jesu. Ihr gilt das Herrenwort: „Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln“ (Lk 8,19–21).

Das einende Band dieser Wahlfamilie Jesu war das Vertrauen in den Gottessohn, den Johanna gläubig in Jesus von Nazareth erkannte. Darum suchte sie seine heilende und heiligende Gegenwart. Schließlich wurde diese Nähe zum Dienst: Johanna gehörte zu den dienenden Frauen, die am ersten Tag bei der Grablegung anwesend waren und am dritten Tag den Leichnam bereiten sollten (Lk 23,55).

Doch dann kam alles anders: Der Dienst wandelte sich zur Berufung. Der Leichnam war nicht mehr im Grab. Johanna wird zur Zeugin der Auferstehung (Lk 24,10). Wir dürfen glauben, dass Johanna somit auch zu den Jüngerinnen und Jüngern, die sich zu Pfingsten zur Geistsendung in Jerusalem versammelten, gehörte (Apg 1,14). Berufung wurde nun zur missionarischen Sendung.

Bis heute hat die Nähe zu Jesus immer den gleichen Effekt. Wenn ich wirklich fasziniert von Jesus bin, übernehme ich in seinem Namen auch Dienste. Durch einen Dienst der Hilfe, der Barmherzigkeit, der Sorge usw. kann somit etwas vom Wirken Jesu für andere erfahrbar werden. Dann ist mein Dienst schon zur Berufung geworden. Wenn ich das erkenne, wird meine Sendung als Christ in Familie, Beruf und Kirche klarer und klarer.