Viele Missionen – ein Auftrag
Die Oblatenmissionare sind eine weltweite Gemeinschaft. Dadurch entstehen an vielen verschiedenen Orten unterschiedliche Herausforderungen und Aufträge für die Gemeinschaft. DER WEINBERG sprach darüber mit Pater Antoni Bochm OMI, dem Generalvikar der Oblatenmissionare in Rom.
Als Generalvikar haben Sie einen globalen Überblick über die Kongregation. Wie ist die Lage für die Oblaten in den verschiedenen Regionen?
In Afrika gibt es die größte Anzahl von Oblaten und auch die größte Anzahl von Gläubigen, die von uns betreut werden. Die Kirchen sind voll, mit einer sehr aktiven Beteiligung der Laien, nicht nur während der liturgischen Feiern, sondern generell im Leben der Kirche. Vielleicht hängt das auch mit der immer noch geringen Zahl von Priestern und Ordensleuten in einem so riesigen Gebiet zusammen... Die Laien sind für die Kirchen und Kapellen verantwortlich, und in einigen von ihnen kommt nur von Zeit zu Zeit ein Priester, um die Eucharistie zu feiern.
Ähnlich ist es in Asien: Dort ist die Kirche an vielen Orten in der Minderheit, aber sehr lebendig, aktiv und voller Freude. An vielen Orten kümmern sich die Kirche und die Oblaten an vorderster Front nicht nur um den Glauben der Menschen, sondern helfen auch vielen Menschen in ihrer Not.
Die Kirche vertraut uns häufig besondere Mission mit vielen Schwierigkeiten und Gefahren an. Aus diesem Grund sind wir beispielsweise auf der Insel Jolo auf den Philippinen präsent, wo wir schon drei Oblaten verloren haben.
Wie unterscheiden sich die Herausforderungen der Mission in Europa, Afrika, Asien und Amerika?
In Nordamerika und in Europa liegt die größte Herausforderung in der zunehmenden Säkularisierung und der religiösen Gleichgültigkeit. Wir stellen auch eine gewisse Feindseligkeit gegenüber dem Christentum, aber auch gegenüber jeder Religion fest. Die Menschen, so der Eindruck, haben keinen Bedarf mehr nach Gott. Das hat zum Rückgang der Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben geführt sowie zu weniger Menschen, die sich aktiv am Leben der Kirche beteiligen.
In Asien dagegen ist es nicht einfach, in einem multireligiösen Kontext zu arbeiten, in dem das Christentum eine sehr kleine Religion ist. Sehr oft werden die Christen an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Dasselbe gilt für Priester und Ordensleute, deren Mission in einigen Ländern nicht gut angesehen ist. An vielen Orten wird insbesondere die katholische Kirche offen verfolgt. Missionare arbeiten, ohne zu wissen, was heute oder morgen passieren wird. In unserer Kongregation haben wir viele Märtyrer – nicht nur solche aus früheren Zeiten.
An vielen Orten liegen die Herausforderung auch in der Armut und dem niedrigen Bildungsniveau. Dort müssen die Missionare nicht nur die Liebe Gottes predigen, sondern sie auch konkret zeigen, indem sie den Menschen helfen. In vielen Teilen der Welt besteht die Aufgabe der Missionare auch darin, Schulen zu gründen, Krankenhäuser zu bauen, Brunnen zu graben, um die Menschen mit Wasser zu versorgen.
Gibt es Regionen, in denen sich die Mission der Oblaten in den letzten Jahren grundlegend verändert hat?
Die Migration in Europa ist für uns ein neues Zeichen der Zeit, durch das Gott uns ruft. Wir als Oblaten versuchen, immer nah bei den Menschen zu sein, die aus verschiedenen Gründen wie Krieg, politischer Verfolgung, Armut usw. gezwungen sind, ihre Länder und ihren Lebensraum zu verlassen.
In Afrika gab es früher hauptsächlich Missionare aus Europa, den Vereinigten Staaten und Kanada. Sie hatten die Aufgabe, die Strukturen der Kirche aufzubauen. Jetzt sind in diesen Ländern meist Oblaten tätig, die dort geboren sind und den lokalen Kontext besser verstehen, aber auch eine andere Rolle haben: Sie sollen den Glauben der Menschen vertiefen. Die Kirchen und Missionen sind gebaut, jetzt müssen die Gläubigen begleitet werden. Natürlich begegnen Missionare immer noch Menschen, die noch nichts Gutes über Jesus gehört haben, und gründen neue Gemeinden, aber sie arbeiten mehr mit bereits Getauften.
Missionen werden oft mit Erfolg in Verbindung gebracht. Wie gehen die Oblaten mit Situationen um, in denen ihr Engagement nicht viel Frucht zu tragen scheint?
Hier möchte ich an die Person des seligen Joseph Gerard erinnern. Er war ein französischer Oblate, arbeitete aber sein ganzes Leben lang in Südafrika und Lesotho. In den ersten elf Jahren blieb sein Wirken ohne jegliche Erfolge, nicht einmal eine Taufe, keine einzige Bekehrung. Nichts. Das Bewusstsein, Gott zu dienen, die Liebe zu den Menschen vor Ort und eine große Geduld hielten ihn trotzdem im Süden Afrikas. Ich denke, Geduld ist einer der Werte, die von jedem Missionar verlangt werden. Natürlich möchten wir wie alle Menschen nur Erfolge haben, aber wir müssen uns bewusst sein: Der Samen, den wir in den Boden werfen, trägt vielleicht Früchte, die jemand anderes ernten wird. Ein Missionar muss einen starken Glauben haben, nicht nur, um überzeugt Verkünder des Evangeliums zu sein, sondern auch, um zu akzeptieren, wenn die Wirkungen nicht sofort eintreten oder anders sein können als erwartet.
Was gibt Ihnen Hoffnung, wenn Sie auf die weltweite Mission der Oblaten blicken?
Wenn ich mir die Zahl der Berufungen zur Oblatenkongregation anschaue, bin ich optimistisch. Vielleicht haben wir hier in Europa einen Mangel an Berufungen, aber in der gesamten Kongregation gibt es viele. Ein weiteres Zeichen der Hoffnung ist die Präsenz der Oblaten unter vielen armen und verlassenen Menschen. Es zeigt, wir folgen weiterhin unserem Auftrag.