Heilige – und was uns an sie erinnert
Christa Meves, Psychotherapeutin und Konvertitin, konnte im vergangenen Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. Bekannt wurde sie durch ihren Artikel „Von der Freude, katholisch zu sein“ (1993). In einem viel beachteten Referat im Juni 2001 in Fulda legte sie auf der Grundlage dieses Artikels ihre persönlichen Beweggründe für die Konversion zur katholischen Kirche im Jahr 1987 dar. Warum sie diesen Schritt auch Jahrzehnte später nicht bereute, erklärte sie unter anderem damit, dass sie sich als Teil einer riesigen Gemeinschaft sehe, einer Gemeinschaft, bestehend aus lebendigen Katholiken auf der ganzen Welt sowie den Millionen von Gläubigen, die uns vorausgegangen sind: der Gemeinschaft der Heiligen.
Zur Gemeinschaft der Heiligen gehören all jene, die Jünger Jesu waren, Männer und Frauen, die Gott liebten, dem Weg Christi folgten und den Heiligen Geist durch ihre Worte und Taten wirken ließen. Zur Gemeinschaft der Heiligen gehört auch eine besondere Art von Heiligen: Menschen, die von der Kirche für ihr vorbildliches Leben, ihre Hingabe an Jesus und ihren Dienst an Gott und den Nächsten offiziell anerkannt wurden und so „zur Ehre der Altäre“ gelangten.
In unserer Tradition gibt es Tausende formell anerkannte Heilige mit ihrer je eigenen Geschichte als Vorbilder des Glaubens. Viele dieser Heiligen sind auf Statuen und Bildern verewigt, die in Kirchen und an religiösen Orten zu finden sind.
Stätte der Heiligen
Wenn bald wieder die Reisezeit beginnt und die Menschen weltweit Kirchen besuchen, in denen sie Statuen und Bildern von Heiligen begegnen, hebt das große Rätselraten an, welche Heiligenfigur sie da vor sich haben. Doch lässt sich das Rätsel häufig leicht lösen anhand der Symbole, die den jeweiligen Heiligen beigegeben sind. Jedes Symbol erzählt ein wenig aus dem Leben der Heiligen und verankert sie in ihren legendären und historischen Taten.
Wir alle mögen unsere „Lieblingsheiligen“ haben; zumeist sind es unsere Namenspatrone, zu denen wir im Laufe unseres Lebens eine persönliche Beziehung aufbauen. Daneben gibt es Heilige, denen wir in den Kirchen immer wieder begegnen.
Die Königin der Heiligen
Da ist zuerst die „Königin der Heiligen“, Maria, die Mutter Jesu. Zu ihren bekanntesten Symbolen gehören die Lilie (MadonnenLilie), das Symbol der Reinheit, Jungfräulichkeit und Unschuld; dazu kommt der blaue Umhang: Blau symbolisiert den Himmel, Wahrheit und Treue; außerdem die Rose: Maria wird als „Rose ohne Dornen“ bezeichnet, eine Anspielung auf ihre Sündenlosigkeit; Maria als Himmelskönigin trägt eine Krone oder einen Sternenkranz; ein weiteres häufiges Attribut ist der Mantel, der besonders im Motiv der Schutzmantelmadonna vorkommt. Darüber hinaus sind der Mond unter ihren Füßen, der sie als Himmelskönigin ausweist, und der Spiegel – als „Spiegel der Gerechtigkeit“ – häufig zu sehen.
Der Mann mit der Lilie
Ihr Gemahl, der heilige Josef, wird mit verschiedenen Symbolen gezeigt, die seine Rolle als Zimmermann, Ziehvater Jesu und seine Tugenden herausstellen: unter anderem mit dem Winkelmaß, der Axt, der Säge oder dem Hobel. Für Reinheit und seine Aufgabe als Gemahl Marias steht die weiße Lilie.
Gut zu erkennen ist auch der heilige Petrus: Seine Schlüssel symbolisieren die ihm von Jesus Christus übertragenen Vollmachten (Matthäus 16,19); oft werden sie als gekreuzt dargestellt. Mitunter gibt es sie in unterschiedlichen Farben: Ein silberner Schlüssel steht für die Kirche auf Erden, ein goldener für den Himmel. Von Petrus haben auch die Päpste die Schlüssel übernommen, weswegen sie auch im Wappen des Papstes und der Vatikanstadt zu finden sind.
Der heilige Paulus hält ein Schwert. Es symbolisiert sein Martyrium durch Enthauptung in Rom um das Jahr 67 n. Chr. Als „Schwert des Geistes“ steht es auch für das kraftvolle Wort Gottes und die Verteidigung des Glaubens. Es betont die Rolle des Heiligen als „Apostel der Völker“.
Löwe, Engel, Stier, Adler
Hervorzuheben sind die vier Evangelisten: Der Löwe ist das Symbol des Evangelisten Markus. Dieser beginnt sein Evangelium mit der kraftvollen Stimme Johannes des Täufers. Zugleich symbolisiert der Löwe majestätische Stärke, Mut und die Auferstehung Christi.
Der geflügelte Mann (oft als Engel dargestellt) ist das Symbol des Evangelisten Matthäus. Da Matthäus sein Evangelium mit dem menschlichen Stammbaum Jesu beginnt, weist die Darstellung auf die Menschwerdung Christi hin. Es ist ein Engel, der dem Matthäus das Wort Gottes ins Ohr flüstert.
Der Stier gilt als edles Opfertier, was die Botschaft des Lukasevangeliums, das den Opfertod Jesu besonders betont, widerspiegelt. Die Flügel deuten auf den himmlischen Ursprung der Botschaft hin.
Der Adler ist das Symbol des Evangelisten Johannes. Er symbolisiert den theologischen „Höhenflug“, die Nähe zu Gott, die Eingebungen des Heiligen Geistes und die Göttlichkeit Jesu.