Wenn Kühle zum Luxus wird
Da ist die Dachwohnung, die in der letzten Hitzewelle auch nachts noch 30 Grad im Schlafzimmer hatte. Auf der anderen Seite das klimatisierte Penthouse – entspannte 23 Grad mit atemberaubendem Blick. Keine Frage: Deutschland baut gut gedämmt – für den Winter. Die Gebäude sind darauf ausgerichtet, im Winter warm zu bleiben.
Doch durch den Klimawandel gibt es mehrtägige Phasen, in denen die Temperatur tagsüber über 30 Grad liegt, und in denen es auch Nachts nicht abkühlt. Das Klima verändert sich schneller als der Wohnungsbestand. Früher galt eine Klimaanlage als unnötiger Luxus, heute wird sie immer wichtiger – doch Luxus ist sie immer noch. Die neue soziale Frage im Wohnen lautet daher nicht nur wie früher, wer es im Winter warm hat, sondern auch, wer im Sommer die Hitze aushalten muss.
Wie verbreitet Klimaanlagen in Deutschland sind
Dabei sind Klimaanlagen keine Technologie, die weltweit unbekannt wäre. In den USA sind etwa 90 Prozent der Wohngebäude mit Klimaanlagen ausgestattet. In Europa hingegen sind es nur 20 Prozent – allerdings mit großen regionalen Unterschieden. In Spanien etwa haben 50 Prozent der Haushalte eine Klimaanlage. In Deutschland dagegen haben nur sechs Prozent eine feste Anlage, die mindestens einen Raum kühlt, 13 Prozent behelfen sich mit mobilen Geräten, die aber schlechter kühlen und ineffizienter sind.
Auch im Neubau sieht es kaum besser aus
Doch ist es nicht nur ein Problem des Altbaus. Nur etwa 4 Prozent aller im Jahr 2025 fertiggestellten Wohngebäude wurden mit Kühltechnik ausgestattet, wozu neben Klimaanlagen auch Deckenkühlung oder eine Fußbodenheizung mit Kühlfunktion zählen.
Zwar ist es in Räumen wie Kitas und Pflegeinrichtungen im Neubau besser, dort wird eine Quote von 14,5 Prozent erreicht. Doch sind hier auch besonders vulnerable Gruppen betroffen. Da erscheinen 14,5 Prozent dann wieder deutlich zu niedrig. Das bedeutet auch: Der Mangel an Kühlung wird für die kommenden Jahrzehnte weitergebaut.
Was Anschaffung und Betrieb kosten
Das hat auch etwas mit den Kosten zu tun, die sich schon bei den aktiven Klimaanlagen zeigen. Dort kann man zwischen mobilen Monoblockgeräten und Splitgeräten unterscheiden.
Erstere sind vergleichsweise einfach zu verwenden. Sie stehen im Raum und führen die warme Luft durch einen Schlauch nach draußen. Dafür muss gewöhnlich ein Fenster geöffnet oder mit einer Abdichtung versehen werden. Solche Geräte kosten nach Angaben der Verbraucherzentrale etwa 300 bis mehr als 1.000 Euro.
Der vergleichsweise günstige Kaufpreis hat jedoch Folgen. Monoblockgeräte sind häufig laut und arbeiten weniger effizient. Durch das Fenster, aus dem der Abluftschlauch geführt wird, kann warme Außenluft zurück in den Raum gelangen. Das Gerät muss dann zusätzliche Energie aufwenden, um diese Luft erneut zu kühlen.
Deutlich effizienter sind Splitgeräte. Sie bestehen aus einem Teil im Zimmer und einem außerhalb des Gebäudes angebrachten Gerät. Die Anschaffung kann bis zu 3.000 Euro kosten; hinzu kommen die fachgerechte Montage sowie später mögliche Wartungs- und Reparaturkosten. Für mehrere Zimmer wird eine entsprechend größere und teurere Anlage benötigt.
Der Einbau der effizienteren Splitgeräte ist ein Eingriff in die Bausubstanz. Für Menschen, die in einer Wohnung leben, entsteht dadurch neben den Kosten ein zusätzliches Problem: Für Wanddurchbrüche und ein an der Fassade angebrachtes Außengerät ist regelmäßig die Zustimmung des Vermieters erforderlich. Auch in einer Wohnungseigentümergemeinschaft kann über den Einbau nicht ohne Weiteres allein entschieden werden. Fragen des Lärms und der Veränderung der Fassade müssen berücksichtigt werden.
Je nach Gerät entstehen laut Verbraucherzentrale zudem zusätzliche Stromkosten von ungefähr 35 bis 140 Euro im Jahr. Bei intensiver Nutzung, mehreren gekühlten Räumen oder steigenden Strompreisen kann es deutlich mehr werden.
Warum Hitze eine soziale Frage ist
Durch Anschaffungs- und Stromkosten wird die Kühlung zur sozialen Frage. Wer in einem Einfamilienhaus wohnt, kann zumindest schon einmal frei entscheiden, ob er eine Klimaanlage anschaffen will und, wenn ja, welche Räume am besten gekühlt werden sollten. Zudem erhöht sich durch eine gute Klimaanlage der Wert des Hauses. Für Mieter, mehr als 50 Prozent der Menschen in Deutschland, gilt all das nicht.
Dazu kommt noch ein räumlicher Faktor: Mietwohnungen liegen eher in Städten, Einfamilienhäuser eher auf dem Land. Dort ist es aber grundsätzlich kühler, weil weniger Fläche versiegelt ist – denn versiegelte Fläche heizt die Umgebung auf. Zudem können viele Hausbesitzer der Hitze in Grenzen aus dem Weg gehen – im Erdgeschoss ist es kühler als im Dachgeschoss. In der Zweizimmer-Dachgeschosswohnung gibt es dagegen kein Entkommen.
Die entscheidende soziale Trennlinie verläuft somit nicht allein zwischen Haushalten mit und ohne Klimaanlage. Sie verläuft zwischen Menschen, die ihre Wohnverhältnisse an die steigenden Temperaturen anpassen können, und denen, die dazu kaum Möglichkeiten haben.