Der heilige Bonifatius - ein Mann sucht sein Missionsfeld
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Mittwoch, 3. Juni 2026

Der heilige Bonifatius - ein Mann sucht sein Missionsfeld

Was zeichnet einen guten Missionar aus? 

Dass er sich senden lässt; dass er begeistert und engagiert ist; dass er bereit ist, sein Leben hinzugeben. 

Doch von Bonifatius kann man noch deutlich mehr lernen, was einen guten Missionar ausmacht. Zum Beispiel, dass es nie zu spät ist. Denn nach einer Missionskarriere rechts des Rheins sah es zunächst für Bonifatius nicht aus.

Der Sohn einer jungen Kirche in Großbritannien

Ursprünglich hieß er auch gar nicht so, sondern Wynfreth. Er wurde zwischen 673 und 675 in eine vornehme angelsächsische Familie auf dem Gebiet des heutigen Englands hineingeboren. Seine Heimat war unterteilt in Kleinkönigreiche, seine Familie gehörte zu den Völkern, die als Händler und Eroberer auf die britischen Inseln gekommen waren und sich mit der keltischen Ursprungsbevölkerung langsam vermischten. Wynfreth sprach vermutlich eine Variante des Altenglischen, das zu den westgermanischen Sprachen gehörte. Damit konnte er sich mit den Germanen auf der anderen Seite der Nordsee wenigstens teilweise verständigen.

Wynfreth entstammte einer jungen Kirche. Die Angelsachsen waren erst seit einem guten Jahrhundert christianisiert – und wiesen eine ungewöhnlich ausgeprägte Ausrichtung gen Rom auf Der ferne Papst war ihnen der Garant der Richtigkeit ihres Glaubens. Das sollte für Bonifatius noch wegweisend werden.

Als Kind wurde Wynfreth als puer oblatus im Kloster Exeter erzogen und auf ein Leben als Mönch vorbereitet. Er blieb dort. Mit 30 Jahren wurde er zum Priester geweiht und war in seiner Heimat unter anderem als Verfasser einer lateinischen Grammatik bekannt. 

Ein Mann in den mittleren Jahren bricht auf

So vergingen die ersten vier Jahrzehnte seines Lebens. Damals wurden die Menschen bei Weitem nicht so alt wie heute. Wynfreth durfte mit 40 Jahren schon als älterer, weiser Mönch gelten. Dann verließ er die schützenden Mauern seines Klosters und brach zu seiner ersten Missionsreise auf. Quasi als spätberufener Missionar. Warum er so spät noch sein Leben änderte, ist uns nicht bekannt. Immerhin war es im angelsächsischen Mönchtum nicht unbekannt, das sesshafte Leben aufzugeben und ein wandernder Missionar zu werden. Aufgrund des Fehlens städtischer Zentren im angelsächsischen England bildeten die Klöster das Rückgrat der Kirchenorganisation und die Ausbildungsstätte für Missionare. Auch diesen Gedanken sollte Wynfreth auf den Kontinent mitnehmen. 

Zweimaliges Scheitern in Friesland

Doch wohin führte der Weg des jungen Missionars. Er suchte sich gleich das schwierigste denkbare Missionsfeld aus: die Friesen. Zwar waren sie ihm geografisch nah – damals bewohnten sie die Küsten der heutigen Niederlande inklusive der Nordseeküste des heutigen Deutschlands. Auch sprachlich waren die Friesen den Angelsachsen besonders nahe. Doch widersetzten sich die Friesen unter ihrem König Radbod jedem Missionsversuch. 716 fuhr Bonifatius über die Nordsee  und war schon im gleichen Jahr wieder zurück in England. 

Daraus zog Bonifatius Konsequenzen: Mission konnte nur gelingen, wenn sie im Einklang mit den Mächtigen durchgeführt wurde – nicht gegen sie. Und für den Angelsachsen Bonifatius zudem nur mit dem Segen und der Unterstützung des Bischofs von Rom. So machte er sich 718 auf den Weg nach Italien, um ein neues Ziel aus den Händen des Papstes zu empfangen. Papst Gregor II. gab ihm 719 immerhin einen neuen Namen: Bonifatius, derjenige, der gutes Schicksal bringt. 

Zunächst versuchte es Bonifatius erneut bei den Friesen, denn mittlerweile war Radbod gestorben und die Lage für Missionare günstiger. Doch es scheint menschlich gekriselt zu haben: Bonifatius verstand sich nicht mit Willibrord, einem anderen Angelsachsen, der schon seit Jahren in Friesland gegen alle Widerstände die Stellung gehalten hatte. So verließ Bonifatius 721 das Projekt. Das zeigte ihm: Ein erfolgreicher Missionar musste nicht nur politische, sondern auch viele weitere menschliche Faktoren berücksichtigen. 

Neue Bistümer zwischen Rhein und Elbe

Seit Ende der 730er Jahre rollte Bonifatius dann Bistümer nach römischem Modell über das Gebiet des alten Germanien aus: Er reorganisierte die Bistümer Regensburg, Passau, Salzburg und Freising, gründete Würzburg und Eichstätt sowie die kurzlebigen Bistümer Erfurt und Büraburg – nahe dem heutigen Fritzlar. Bonifatius selbst wurde 746 Bischof von Mainz. Das zeigt: Ein guter Missionar muss nicht nur Beziehungen pflegen, er muss diese Beziehungen auch organisieren können, damit sein Wirken über seine eigene Lebenszeit hinausreicht.

Das Ende seiner Wirkungszeit nahte auch für Bonifatius. In Bayern erwuchsen ihm Konkurrenten, besonders im Iren Virgil von Salzburg. Auch am Hof der fränkischen Herrscher verlor der alternde Bischof – er war schon in seinen 70ern – zunehmend an Einfluss. 

Ein konsequentes Leben

Bonifatius zog daraus die Konsequenzen und bereitete seine Nachfolge in Mainz vor. Der große alte Mann, einer der einflussreichsten Kirchenpolitiker des östlichen Frankenreiches, hing nicht an der Macht. Auch das zeichnet einen Missionar aus: Er ist bereit, weiterzuziehen, wenn die Zeit gekommen ist. Das tat auch Bonifatius, wenngleich schon hochbetagt. Ein letztes Mal zog es ihn zu den Friesen, wo er schon zweimal gescheitert war – und wo die Christianisierung auch nach deren Eingliederung ins Frankenreich nur schrittweise vorankam. In Friesland ereilte den alten Bischof der Tod. 754 oder 755 wurde er auf der Reise zu einer Firmung friesischer Christen erschlagen, vermutlich von Gegnern der christlich-fränkischen Missionierung. 

Sein Leben und Sterben hatten dem Missionar und Märtyrer Bonifatius so großen Ruhm eingebracht, dass um seinen Leichnam ein Streit entbrannte. In Utrecht, wohin er zunächst kam, wollte man ihn behalten, in Mainz, der nächsten Station, auch nicht herausgeben. Am Ende setzte sich Bonifatius noch einmal durch: Er kam, wie von ihm bestimmt, nach Fulda. Der alte Mönch wurde in einem Kloster begraben. Auch das gehört zum Leben vieler Missionare: Sie dienen in der Welt, aber sie vergessen ihre Herkunft nicht.