US-Bischof: Befehlsverweigerung bei Grönland-Angriff vertretbar
London/Washington - Bei einer militärischen Invasion Grönlands durch die USA wäre für US-Soldaten eine Verweigerung des Befehls zur Teilnahme vertretbar: Zu dieser Einschätzung kommt der katholische Militärbischof der Vereinigten Staaten, Erzbischof Timothy Broglio. „Streng genommen wäre ein Soldat oder eine Soldatin im Bereich des eigenen Gewissens – es wäre moralisch akzeptabel, einen solchen Befehl zu verweigern“, sagte Broglio dem Sender BBC. Es könne sich unter keinen erkennbaren Umständen um einen „gerechten Krieg“ handeln. Zugleich räumte der Militärbischof ein, eine Verweigerung könne die Betroffenen in eine „unhaltbare Situation“ bringen.
Hintergrund sind erneute Äußerungen von US-Präsident Donald Trump und Regierungsmitgliedern über eine Aneignung Grönlands; der Einsatz militärischer Mittel wurde nicht ausdrücklich ausschlossen. Grönland ist ein autonomes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark, eines Nato-Mitglieds. Der Angriff auf einen Bündnispartner würde die anderen Mitglieder zur kollektiven Verteidigung verpflichten und somit eine existenzielle Belastung für das Bündnis darstellen.
Militärbischof Broglio gab im Interview zu bedenken, US-Soldaten könnten im Fall eines Militäreinsatzes zu moralisch fragwürdigen Handlungen verpflichtet werden. Auf die Frage, ob ein gewaltsames Vorgehen gegen Grönland jemals den Kriterien eines „gerechten Krieges“ entsprechen könne, antwortete der Erzbischof: „Ich kann keine Umstände erkennen, unter denen das der Fall wäre.“ Es erscheine „nicht akzeptabel, dass die USA ein befreundetes Land angreifen und besetzen“. Auch die Debatte darüber schade bereits dem internationalen Ansehen der Vereinigten Staaten; dies sei „sehr schwer zu rechtfertigen“.
Broglio äußerte sich fast zeitgleich mit einer gemeinsamen Erklärung mehrerer US-Kardinäle, die eine „genuin moralische Außenpolitik“ forderten. Die USA stünden vor der „tiefstgreifenden Debatte über die moralischen Grundlagen ihres Handelns in der Welt seit dem Ende des Kalten Krieges“, schrieben die Erzbischöfe Blase Cupich (Chicago), Joseph Tobin (Newark) und Robert McElroy (Washington).
Militärisches Handeln sei nur als letztes Mittel in Extremsituationen zulässig, so die Kardinäle, und „nicht als normales Instrument nationaler Politik“. Auch stehe die moralische Rolle der USA „bei der Konfrontation mit dem Bösen weltweit, beim Schutz des Rechts auf Leben und der Menschenwürde sowie bei der Unterstützung der Religionsfreiheit“ insgesamt durch den zuletzt eingeschlagenen außenpolitischen Weg auf dem Prüfstand. (KNA)