Hoffnung auf staubigen Straßen
Der Blick der katholischen Kirche richtet sich zunehmend nach Asien und Afrika. Dort sind die Kirchen voller und es gibt mehr Berufungen als in Europa und Nordamerika. Doch hat die Kirche dort auch mit eigenen Herausforderungen zu kämpfen. In vielen Staaten Afrikas sind die Katholiken nur eine Minderheit, die Pfarreien dort haben mit Armut und den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Wie sich Kirche unter solchen Bedingungen behauptet, zeigt ein Blick nach Sambia im Süden Afrikas. DER WEINBERG sprach mit Bischof Valentine Kalumba OMI und Bischof Evans Chinyama Chinyemba OMI über die Lage der katholischen Kirche in Sambia.
Bischof Valentine Kalumba OMI
Er wurde 1967 in Sambia geboren. Er legte 2005 die Ewigen Gelübde als Oblatenmissionar ab und wurde im gleichen Jahr zum Priester geweiht. 2016 ernannte ihn Papst Franziskus zum Bischof von Livingstone im Süden Sambias. Seine Diözese zählt 95.000 Katholiken, was einem Anteil von 21,5 Prozent der Bevölkerung dort entspricht.
Bischof Evans Chinyama Chinyemba OMI
Er wurde 1967 in Sambia geboren. Er legte 1999 seine Ewigen Gelübde bei den Oblatenmissionaren ab und wurde 2000 zum Priester geweiht. 2011 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Mongu im Westen Sambias. Sein Bistum zählt 106.400 Katholiken, was einem Bevölkerungsanteil von 10,8 Prozent entspricht.
Sie sind beide Oblatenmissionare. Was bedeutet es für Sie, als Bischof Verantwortung für eine Diözese zu tragen?
Zuerst einmal sind wir Oblaten. Das heisst: Wir sind Missionare Als ich in meine Diözese kam, merkte ich schnell, dass sie riesig ist. Der Nuntius sagte mir: „Sie übernehmen eine riesige Pfarrei“. Wenn ich all diese Menschen in diesem riesigen Territorium sehe, verbindet mich das direkt mit dem Charisma der Oblaten: den am meisten Verlassenen die Hand zu reichen. Trotz aller Herausforderungen fühle ich mich dort am richtigen Platz, um dem Volk Gottes zu dienen und gleichzeitig mein Ordenscharisma auszuleben.
Die Oblaten gründeten ihre erste Mission in Sambia in Lukolo – dem Ort, an dem ich geboren wurde. Heute bin ich Bischof in genau diesem Territorium. Für mich bedeutet das eine doppelte Verantwortung: Ich bin Priester, aber zusätzlich trage ich die Last des Bischofsamtes. Und ich bin ein Bischof aus einer Kongregation, deren Motto es ist, den Armen zu dienen. Das passt, denn die Diözese gehört zu den ärmeren Regionen von Sambia.
Wie stellt sich die Situation der Armut in Ihren Regionen dar?
Armut hat viele Gesichter. In materieller Hinsicht sind die meisten Pfarreien meiner Diözese arm. Aber es geht auch um den Glauben; oft leisten wir dort noch eine erste Evangelisierung. Es mangelt zudem an Bildung. Wenn man sich dort als Oblate an der Seite der am meisten Verlassenen positioniert, merkt man: Hier muss ich sein.
Unsere Diözesen liegen weit weg von den wohlhabenderen Regionen Sambias. Und je weiter man sich von den Städten entfernt, desto deutlicher wird die Armut. Wir haben zwar formal kostenlose Bildung, aber viele junge Menschen haben kein Geld für eine höhere Ausbildung. In unseren Büros gehen daher viele Schreiben von Menschen ein, die um Hilfe für Studiengebühren bitten. Es ist schmerzhaft zu sehen, dass junge Menschen, die in der Pfarrei sehr engagiert sind, keine Chance auf weitere Bildung haben, weil die Ressourcen fehlen. Sogar unsere Kirchengebäude sind oft so einfach, dass man sie kaum als Kirchen bezeichnen kann; sie bestehen aus dem, was die Menschen vor Ort beitragen können.
Können Sie uns ein Bild von dem Leben der Menschen vor Ort geben?
Ein „Dorf“ bei uns ist nicht das, was man in Europa darunter versteht. Die Häuser bestehen aus Baumstämmen, die mit Lehm verputzt sind, und haben Grasdächer. Wer sich das nicht leisten kann, sucht Schutz unter Ästen. Der Boden ist oft tiefsandig, die Straßen selten geteert. Man braucht große Allradfahrzeuge, um voranzukommen. Es ist eine Armut, die teilweise unmenschlich ist.
Sambia ist eigentlich ein reiches Land mit vielen natürlichen Ressourcen und einer starken jungen Generation. Die Herausforderung ist jedoch, wie man diese Ressourcen für das tägliche Leben nutzbar macht. Die Menschen leben ein sehr einfaches Leben. Wir Oblaten teilen dieses Leben: Wir haben keinen extravaganten Lebensstil, wir essen, was die Menschen essen und nutzen dieselben Krankenhäuser. Wir sehen uns als Kanal für die Hilfe. Wenn morgens Menschen an die Tür klopfen und nach Essen, Geld oder Transport für Kranke fragen, teilen wir das Wenige, das wir haben.
Welche Rolle spielt die Katholische Kirche in der sambischen Gesellschaft?
Obwohl Katholiken mit etwa 20 % in der Minderheit sind, ist die Kirche als einzelne Institution die größte im Land. Wir tragen eine enorme soziale Mitverantwortung. Die Kirche betreibt Schulen, Krankenhäuser und Projekte zur sozialen Entwicklung. Die Regierung sieht uns als Partner, weil wir Aufgaben in der Bildung und Gesundheit übernehmen, die sie allein nicht bewältigen könnte.
Die Bedeutung der Kirche zeigt sich in solchen konkreten Projekten: In Livingstone betreiben wir ein Jugendtrainingszentrum, um junge Menschen von der Straße zu holen. Wir bieten Kurse in Elektromechanik oder Hotellerie an. Wir haben auch ein Krankenhaus, das bereits 1947 gegründet wurde und das einzige in einem weiten Umkreis ist. Die Menschen vertrauen kirchlichen Einrichtungen oft mehr als staatlichen, weil unsere Ordensschwestern sie sehr engagiert und organisiert führen.
Wie finanzieren Sie diese riesigen Aufgaben?
Viele unserer Einrichtungen sind sogenannte „grant-aided institutions“. Das bedeutet, die Regierung zahlt die Gehälter der Mitarbeiter. Die Diözese ist jedoch für die gesamte Infrastruktur, die Verwaltung und die Instandhaltung verantwortlich. Da die Schulgebühren staatlich begrenzt und sehr niedrig sind, müssen wir ständig nach anderen Quellen suchen. Wir verbringen etwa 80 % unserer Arbeitszeit damit, Geld einzuwerben, damit wir diese Projekte finanzieren können.
Wie ist das pastorale Leben in Ihren riesigen Diözesen organisiert?
Die Pfarreien sind räumlich sehr groß. Eine Pfarrei kann bis zu 76 Außenstationen haben. Um das zu bewältigen, sind sie in „Zonen“ unterteilt. Die Priester besuchen diese Zonen regelmäßig für Sakramente und Schulungen.
Das Problem ist die Distanz. Eine Fahrt zu einer Zone kann 120 Kilometer weit sein. Auf sandigen Straßen bedeutet das im ersten oder zweiten Gang oft vier Stunden Fahrtzeit. Aber der Kontakt zu den Menschen ist sehr eng. Nach der Messe sitzen wir lange mit den Menschen zusammen, sprechen über ihre Sorgen und teilen ihren Alltag.
Finden Sie in dieser harten Realität noch genug junge Menschen, die sich zum Priestertum berufen fühlen?
Die jungen Leute sind da, sie sind sehr aktiv in der Kirche. In Mongu haben wir derzeit 14 Seminaristen in verschiedenen Phasen der Ausbildung.
Wir haben 11 Seminaristen. Wir werben nicht mit Plakaten; die jungen Leute werden durch das Vorbild der Priester angezogen. Sie sehen jemanden, der Kranke transportiert oder sich um Alte kümmert. Sie wollen ein Leben führen, das einen Unterschied in der Gesellschaft macht. Die Ausbildung ist jedoch teuer, und die Verantwortung, das Geld dafür aufzubringen, liegt beim uns Bischöfen.
Welche Bedeutung haben die Medien für Ihre Arbeit?
Das Radio ist für uns das wichtigste Medium. Es erreicht Orte, an die kein Auto hinkommt. Wir nutzen es für die Verkündigung, aber auch für Live-Messen für diejenigen, die nicht reisen können.
In unseren Medienhäusern arbeiten fast nur Laien, was ihre wichtige Rolle in der Kirche zeigt. Unser Sender befasst sich nicht nur mit Glaubensthemen, sondern auch mit Landwirtschaft, Wirtschaft und Umwelt. Über soziale Medien wie Facebook oder WhatsApp erreichen wir die junge Generation. Wir bauen derzeit auch einen nationalen Fernsehsender auf, haben aber noch große Probleme mit der Akustik und Schalldämmung in den Studios.
Was ist Ihr größter Wunsch oder Ihre Hoffnung für die Zukunft?
Wir brauchen Mittel, um unsere Pläne zu erfüllen – Fahrzeuge für die Sandpisten und technische Unterstützung. Aber wir bitten auch um Gebet. Ich denke auch an einen Personalaustausch: Wir haben viele junge Priester. Sie könnten nach Deutschland kommen, dort im Dienst helfen und gleichzeitig studieren.
Ich verstehe Synodalität ganz praktisch als eine gemeinsame Reise. Es wäre schön, wenn es mehr „Schwesterpfarreien“ oder Partnerschaften zwischen Diözesen gäbe. Mein Wunsch ist, dass wir genug Ressourcen haben, um uns auf die eigentliche Seelsorge konzentrieren zu können, anstatt nach Geld zu suchen.
Welche Botschaft haben Sie an die Leser unseres Magazins DER WEINBERG?
Wir sind zusammen auf diesem Weg. Lesen Sie unsere Geschichten, begleiten Sie uns, beten Sie für uns und reisen Sie mit uns. Wir werden im Gegenzug für Sie beten. Vielen Dank für die Gelegenheit, unsere Erfahrungen zu teilen.