Mein Geld, dein Geld
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Orientierung
Freitag, 6. November 2026

Mein Geld, dein Geld

„Papa!“ Das Kind hört den Schlüssel im Schloss und stürmt zur Wohnungstür: Der Vater hat es gerade noch zum gemeinsamen Abendessen geschafft. Keine Selbstverständlichkeit – oft kommt er spät und sieht sein Kind nur schlafend. Müde sind am Abend beide Eltern: Er vom langen Arbeitstag, sie von ihrer halben Stelle, dem Haushalt, der Kinderbetreuung und der Sorge um die pflegebedürftigen Eltern. Doch dann gibt es Streit: Sie sieht sein neues Handy. Nicht, dass sie es ihm nicht gönnt, aber angesichts der anstehenden Ausgaben findet sie den Zeitpunkt falsch. Und man hätte darüber sprechen können. Er versteht das Problem nicht: Er hatte genug Geld auf seinem Konto – darüber wird er wohl noch frei entscheiden dürfen. Schließlich mischt er sich auch nicht in ihre Einkäufe ein. Eine Frage steht im Raum: Gehört das Geld in einer Familie dem, auf dessen Konto es überwiesen wird?

Geld ist Macht

Das Beispiel mag klischeehaft wirken. Doch in rund zwei Dritteln der Familien mit Kindern ist der Mann Hauptverdiener. Häufig arbeitet die Frau in Teilzeit und übernimmt zugleich einen größeren Teil von Haushalt, Kinderbetreuung oder Pflege.

Heute will kaum jemand zur Ernährer-Hausfrauen-Ehe mit dem Entscheidungsvorbehalt des Mannes zurück. Gemeinsame Entscheidungen sind heute die Norm. Doch auch in einer Beziehung, in der sich beide als gleichberechtigt verstehen, kann ein Einkommensunterschied ein Machtgefälle erzeugen. Das zeigt sich in praktischen Fragen: Wer kennt die Finanzen? Wer hat Zugriff? Wer kann ohne Zustimmung Geld ausgeben? Wer hier unabhängiger ist, hat in Konflikten die bessere Verhandlungsposition. Dabei wird leicht übersehen, dass der Verzicht eines Partners auf eine Vollzeitstelle und damit ein eigenes, höheres Einkommen und Rentenansprüche das gemeinsame Familienleben oft erst ermöglicht. Welche Kriterien kennzeichnen also einen fairen, partnerschaftlichen Umgang mit Geld?

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Einkaufen, die Kinder versorgen, den Haushalt führen – all diese unbezahlten Tätigkeiten machen Familie erst möglich. Foto: Getty Images (unsplash)

Kein Geld macht auch nichts

Ein Leben in freiwilliger Armut ist eine radikale christliche Antwort auf die Frage, wie Geld und Besitz so eingesetzt werden können, dass sie dem Leben dienen.

Dabei muss klar sein: Unfreiwillige Armut, die Menschen ihrer Würde und ihrer Möglichkeiten beraubt, ist kein christliches Ideal. Sie ist ein Übel, das mit Solidarität, Nächstenliebe und kluger Politik bekämpft werden muss.

Freiwillige Armut hingegen ist eine Lebenshaltung, die sich am Leben Jesu orientiert. Ordensleute geloben sie. Für Christen ohne Gelübde ist sie eher eine Einladung zur inneren Freiheit gegenüber Besitz. Man kann Eigentum haben und trotzdem versuchen, „arm im Geist“ zu leben: den eigenen Wert und den des Nächsten nicht vom Besitz abhängig zu machen, nicht am Geld zu hängen und großzügig zu teilen. Armut heißt dann, mit Besitz Gemeinschaft, Freiheit und Solidarität zu ermöglichen.

Geld macht’s möglich

Eine Familie kann ohne finanzielle Mittel nicht existieren: Ernährung, Gesundheit, Wohnen und Bildung kosten Geld. Doch Geld ermöglicht mehr: persönliche Entwicklung, Erholung und Freiheit.

Freiwillige Armut in der Familie richtet den Blick deshalb zunächst auf die Gemeinschaft: Was uns an Geld und Gütern anvertraut ist, soll dem Leben dienen – dem eigenen, dem unserer Familie und dem der Menschen, die unsere Unterstützung brauchen. So wird die Frage „Wer braucht was?“ zum Gegenmodell von „Wer hat wie viel verdient?“ Denn aus dem Verdienst allein entsteht in dieser Perspektive kein größerer Anspruch auf das Geld. Und wer wegen Alter, Krankheit oder familiärer Aufgaben weniger verdient, muss deshalb nicht weniger Möglichkeiten haben.

Freiwillige Armut in der Familie heißt auch Freiheit: Geld und Besitz begründen keine Herrschaft. Nur weil ich mehr verdiene, habe ich nicht mehr Recht zu bestimmen. Das muss sich konkret zeigen: Beide Partner sollten gleichen Zugang zu finanziellen Informationen haben und sich einen Überblick über Konten, Depots, Geldanlagen und Altersvorsorge verschaffen können. Nur wer informiert ist, kann wirklich mitentscheiden. Das bedeutet auch, dass sich beide Partner mit diesen Themen beschäftigen müssen.

Und freiwillige Armut heißt Solidarität: Eine Familie braucht Rücklagen und Sicherheit. Doch ihr Besitz kann auch für andere Möglichkeiten schaffen – durch Gastfreundschaft, Spenden, eine offene Tür oder bewussten Konsum.