Auf Christus hinweisen
Die Oblatenmissionare blicken auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurück. Dennoch gibt es nur wenige aus ihren Reihen, die zur Ehre der Altäre erhoben wurden. Heiliggesprochen wurde bislang nur der Stifter der Gemeinschaft, Eugen von Mazenod. Daneben gibt es den seligen Joseph Gerard, den seligen Jozef Cebula und die seligen Märtyrer von Spanien und Laos. Abgesehen von Joseph Gerard, dem Apostel der Basothos, handelt es sich bei allen Seligen um Märtyrer, die vor allem als Teil einer Gruppe bekannt sind.
Das hängt laut Pater Thomas Klosterkamp OMI, Professor für Kirchengeschichte an der Oblate School of Theology in San Antonio (Texas), mit dem Verfahren der Heiligsprechung zusammen. Dafür ist es hilfreich, wenn relevante Gruppen sich um das Verfahren der Kanonisation bemühen. Das entspreche den Oblatenmissionaren aber nicht, so Klosterkamp.
Der einzige heilige Oblate
Eine Ausnahme sei der Stifter der Kongregation. Doch auch bei ihm haben die Verfahren sehr lange gedauert. Normalerweise liege zwischen dem Tod und der Seligsprechung eine Zeit von 50 bis 60 Jahren, so Klosterkamp. Bei Eugen von Mazenod dauerte es hingegen über 100 Jahre. Obwohl dieser 1861 gestorben sei, wurde er erst 1975 seliggesprochen. Danach brauchte es noch einmal 20 Jahre, bis er von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde.
Denn selbst für die Oblaten war die Kanonisierung ihres Gründers lange Zeit kein Thema von Bedeutung. Der Orden war beim Tod Eugens französisch geprägt. Doch gerade im Mutterland der Gemeinschaft begann wenige Jahre nach dem Tod des Stifters die Verfolgung der Oblaten, die zu ihrer Verbreitung in ganz Europa führte. Danach waren dem Orden die schnell wachsenden Missionsgebiete wichtiger als die Kanonisierung Eugens. Der Charakter der Gemeinschaft sei stark priesterlich und missionarisch geprägt, so Klosterkamp: „Die Oblaten definieren sich über ihr Tun.“
Viele Märtyrer
Deswegen passe es auch nicht zu ihnen, viel über besondere Mitglieder der Gemeinschaft zu sprechen oder die öffentliche Verehrung zu fördern. Während in anderen Gemeinschaften voraussichtlich heiligmäßige Persönlichkeiten schnell populär werden, indem man zum Beispiel Gebetsbilder druckt oder ihrer häufig gedenkt, komme das bei den Oblaten normalerweise nicht vor.
Die Initiative für die Seligsprechung der Seligen der Gemeinschaft gehe eher von den Orten aus, an denen sie gewirkt haben. So etwa beim seligen Joseph Gerard. Er verbrachte sein ganzes priesterliches Leben im Süden Afrikas, die meiste Zeit bei den Basothos, bei denen die Erinnerung an ihn bis heute wach geblieben ist.
Die übrigen Seligen der Gemeinschaft gehören zu den Märtyrern des 20. Jahrhunderts: Jozef Cebula, ein polnischer Oblate, wurde während der deutschen Besatzung seiner Heimat verhaftet und in ein Konzentrationslager nach Österreich deportiert. Dort wurde er trotz seines schlechten Gesundheitszustandes zu den schwersten Arbeiten geschickt, weil er katholischer Priester war. Ziel war die Vernichtung durch Arbeit. Er wurde im April 1941 bei einem angeblichen Fluchtversuch erschossen.
Die spanischen Oblatenmärtyrer gehören zu den Opfern der Kirchenverfolgung während des Spanischen Bürgerkriegs. Damals fielen mehrere Tausend Bischöfe, Priester und Ordensleute antikatholischen Terrorakten zum Opfer. Im Juli und November 1936 wurden 22 Oblatenmissionare, überwiegend Scholastiker, ohne jedes Verfahren hingerichtet.
Spezialisten für die schwierigen Missionen
Die Märtyrer von Laos wurden während der beiden Phasen des Bürgerkriegs zwischen der monarchischen Regierung von Laos und den kommunistischen Guerillas ermordet. Aus dieser Gruppe sticht der selige Mario Borzaga hervor, nach dem auch das Jugendkloster in Fulda benannt ist. Das hänge wesentlich mit seinem Tagebuch zusammen, so Klosterkamp: „Aus dem wurde klar: Dieser Mann ist ein Mystiker. Das hat vorher aber keiner gewusst.“
Durch das Tagebuch kam er den Menschen in seinem Denken und Glauben näher. Viele fanden ihn dadurch auch sympathisch. So entstand eine Eigendynamik, die zu seiner heutigen Bekanntheit führte.
Die Märtyrer von Laos sind auch ein Beispiel, warum diese Gruppe bei den Oblatenseligen so überrepräsentiert ist. Denn die Oblaten verstehen sich als „Spezialisten für die schwierigen Missionen“. So blieben die französischen und italienischen Patres auch dann noch in Laos, als es für sie schon sehr gefährlich war.
Keine Verehrung um der Verehrung willen
Damit geben die Märtyrer ein besonders intensives Beispiel für die Christustreue, die alle Heiligen auszeichnet. „Was wir noch bräuchten, wäre ein Oblate, der sich für soziale Gerechtigkeit eingesetzt hat. Da gibt es eine ganze Reihe, etwa Pater Larry Rosebauer, der fast sein ganzes Leben mit den Armen auf der Straße gelebt hat“, so Pater Klosterkamp. Bei diesem gebe es aber keine Verehrung – eine Voraussetzung, um zur Ehre der Altäre erhoben zu werden.
Die Verehrung ist deswegen zentral, weil sie Ausdruck eines tiefen Gefühls im Gottesvolk ist: Das Leben dieses Menschen weist auf Christus hin. Denn Heiligenverehrung um des Heiligen willen ist in der Kirche nicht gewollt. Es geht darum, in ihm ein Modell zu haben, mit dem sich Gläubige in ihren jeweiligen Lebenssituationen identifizieren und auf Christus ausrichten können.